Kinder – Der Preis der Solidarität

Seit April des letzten Jahres verschieben sich die Prioritäten unserer Welt, galt früher das Wohl der Kinder, sowohl das physische, als auch das psychische Wohl, als das höchste und wichtigste Gut, so ist es heute wohl eher das Wohl der Alten.
In einer immer älter werdenden Bevölkerung, vielleicht eine ganz normale Sache, dennoch beschäftigt mich dieses Thema schon eine ganze Weile.

Ich bin selbst Vater und mir blutet das Herz,wenn ich sehe, was die Politik der Alten bei den jüngsten unserer Gesellschaft anrichtet. Vorweg, ich gönne niemandem eine Krankheit, unabhängig davon um welche Krankheit es sich handelt und ich bin auch selbst nicht sonderlich daran interessiert selbst krank zu werden und doch finde ich die Politik der Isolation und des Weglaufens fragwürdig. Ich halte es nicht für sinnvoll das gesamte Leben einer Krankheit unterzuordnen und Ängste zu schüren, damit alle um jeden Preis dieser Unterordnung folgen für mehr als fraglich.

Am Ende werden es unsere Kinder sein, die den Preis zahlen und der Preis ist zu hoch, wenn ich mir vorstelle, dass das folgende Beispiel nur eines von vielen ist:


Eine wahre Geschichte

Bevor jetzt jemand sagt, das Beispiel wäre zu krass und eine nette Geschichte, nein ist es nicht und die Dame, die das geschrieben hat, ist mir persönlich bekannt. Es ist nicht die Geschichte von jemandem, der jemanden kennt, der gehört hat, dass da jemand ist, der jemanden kennt… und es ist nicht die einzige Geschichte dieser Art, die ich kenne.

„Der 7jährige hat dermaßen kein Bock mehr auf uns, auf den kleinen Bruder, auf ALLES. Er verkriecht sich in seinem Zimmer und verweigert sogar gemeinsame Mahlzeiten. Ebenso wie die Schulaufgaben, die wir nunmal aber nicht nicht machen können, weil mir die Kraft für eine Auseinandersetzung mit der Schule fehlt. Also rede ich, bitte das Kind, warte, schleppe Kekse und Saft an und ja, ich schreie. Viel zu oft.

Der kleine Bruder hat letztens 90 Minuten am Stück geweint, weil auch sein Leben voll auf den Kopf gestellt wurde. Erst Tagesmutter, dann keine Tagesmutter mehr, dann Kindergarten, dann nicht mehr, dann doch wieder, dann wieder nicht.

Seit März isolieren wir uns, halten uns an die Kontaktbeschränkungen und treffen uns nicht mit Freunden oder Bekannten. Trotzdem war mein Mann zwischenzeitlich mit einem schwereren Verlauf an Covid-19 erkrankt. Betreuungsgemeinschaft haben wir nicht, meine Freundinnen haben sich mittlerweile untereinander orientiert und treffen sich.

So kreisen wir inzwischen zwischen Antidepressiva für mich und Dauermedikation für den chronisch kranken 7jährigen, zwischen Homeschooling und dem Bedürfnis nach Freiheit, zwischen dem Wunsch, morgen alles besser zu machen und der Realität.

Und trotzdem schaffen wir es irgendwie, zumindest wichtige Termine zu machen, zum Beispiel ein Therapie-Erstgespräch für den 7jährigen und andere Arzttermine.

Und weil wir wirklich nicht mehr können, gehen die Kinder ab nächster Woche im Wechselmodell wieder zur Schule und in den Kindergarten.“


Beim Versuch die Alten zu retten, töten wir die Kindheit!

Seit Monaten „retten“ wir die Risikogruppen, schützen die Alten, sprechen in den Medien über Tod, Krankheit, Abstand, Kontaktbeschränkungen und die Politik erzählt sogar, dass Kinder, die ihre Großeltern besuchen, diese mit dem Besuch eventuell umbringen!

Glauben wir wirklich und allen ernstes, dass die Kinder das nicht mitbekommen?! Sie haben Ohren, sie hören, was berichtet wird, sie belauschen Gespräche der Erwachsenen, sie schnappen Dinge auf der Straße auf und reimen sich daraus ihre Welt zusammen. Sofern man den Kindern noch sozialen Kontakt gestattet, tauschen sie diese Kinder dann auch noch untereinander aus und aus dem Halbwissen und dem Hörensagen des Einzelnen, wird das „Wissen“ der anderen.

Sie bekommen auch mit, dass sich das Verhalten der Erwachsenen untereinander geändert hat, sie merken, dass sich das Verhalten „fremder“ Erwachsenen ihnen gegenüber geändert hat und natürlich bemerken sie, dass sie kaum noch Freunde treffen dürfen oder können. Geburtstage fallen aus oder werden halt im kleinen Familienkreis „gefeiert“.

Wir sollen unsere Kinder isolieren, ihnen nur die nötigsten Kontakte erlauben, aber wer entscheidet bitte darüber, was für ein Kind die nötigsten Kontakte sind? Da werden erwachsene Maßstäbe angesetzt, um ermessen, welche Anzahl an Kontakten notwendig ist. Dabei sind Kinder Hordenwesen, schaut man sich unter normalen Umständen auf einem Spielplatz um, dann sieht man Kinder in Herden über den Platz laufen, sie spielen mit ihnen fremden Kindern, organisieren sich, stimmen Regeln und Spiele ab. Also wenn man einen Maßstab für „die notwendige“ Anzahl von Kontakten sucht, dann sollte man bei soviele wie nur möglich anfangen! Denn in diesem unschuldigen Spielen, in dieser Freiheit, in diesem Umfeld lernen die Kinder Sozialverhalten, sie lernen untereinander und voneinander, sie lernen Durchsetzungsvermögen, Toleranz und Flexibilität, sie lernen Empathie, sie lernen, den eigenen Egoismus nach hinten zu stellen und sich auf andere einzulassen. Mit jeder Einschränkung dieser Freiheit berauben wir ihnen dieser Möglichkeiten und damit töten wir ein Stück ihrer Kindheit und ihrer Entwicklungsmöglichkeiten.

Wenn mit ein 4jähriger etwas von Abstand erzählt, dann macht mich das nicht stolz darauf, dass er da ja schon so toll begriffen hat. Es macht mich traurig, dass er das schon verinnerlicht hat. Aber wie sollte er das auch anders, denn immerhin verbringt er 25% seines gesamten bisherigen Lebens unter diesen Bedingungen. Geht man davon aus, dass Kinder durch ihre ersten Jahre in ihrer Entwicklugn stark geprägt und sozialisiert werden, dann weiß man, dass diese „Lebenseinstellung“ nicht einfach so wieder verschwindet, nur weil man dem dann vielleicht 6jährigen plötzlich in zwei Jahren sagt, jetzt ist wieder alles normal, denn normal ist für ihn Corona!

Der Egoismus der Alten vermarktet als Solidarität

Die alten Leute in Berlin und in den Landtagen wollen die Schulen gerne schließen, die Kindergärten am besten auch, Homeschooling, Homeoffice und überhaupt am besten alles nur noch zu Hause und im kleinsten Kreis. Für einen Erwachsenen ist das schon eine Belastung, aber ein Erwachsener hat andere Alternativen sich abzulenken und ist in seiner Entwicklung schon an einem ganz anderen Punkt.

Unter dem Deckmantel der Solidarität schützen diese Alten vor allem aber sich, sie wollen noch was von „ihrer Rente“ haben, vermutlich weil sie nichts von ihrem Leben hatten. Ihr Leben hatten sie dem Ziel untergeordnet: „Wenn ich mich zur Ruhe setze, dann…“ und jetzt wo sie sehen, dass es dieses „später werde ich“ vielleicht nicht gibt, weil es von einer Krankheit bedroht wird, erwarten sie von den Kindern, dass diese ihr Leben zurückstellen, ihre Jugend, ihre unbeschwerte Kindheit opfern, damit sie doch bitte noch was von ihrem Ruhestand haben. Das hat nach meiner Auffassung nichts mit einer Gesamtsolidarität zu tun, sondern eher mit einer Solidarität der Alten gegen die Jungen.

Wie alle Statistiken zeigen, haben wir die meisten schweren Verläufe, die meisten Todesfälle und auch die meisten Infizierten in den Altersklassen über 70 Jahren, für diese Altersklasse wird momentan gekämpft, vermarktet und Politik gemacht. Allerdings geht es dabei vermutlich weniger um diejenigen in den Pflegeheimem, die dienen eher als Vermarktungsinstrument – das zeigt die Gesundheitspolitik und die Maßnahmen ziemlich deutlich – nein, diese Altersklasse leitet die Konzerne, diese Altersklasse hält das wahre Vermögen, diese Altersklasse zieht die Fäden und steht ganz oben in der Politik.
Ja, es gibt auch jüngere Fälle und ja, auch mit schweren Verläufen, aber betrachtet man die Zahlen, dann sind diese Fälle eher statsitisch irrelevant. Wohl gemerkt Statistik, nicht die persönlichen Schicksale die dahinter stehen, nicht die Familien und die Hinterbliebenen! Für diese statistisch geringen, ja nahezu irrelevanten Fälle, wird keine Politik gemacht, das zeigt der Umgang mit solchen Minderheiten in der Politik und den gesundheitspolitischen Maßnahmen der letzten Jahrzehnte, Corona ist schließlich nicht die erste und einzige tödliche Krankheit in unserem Land, in der EU oder gar auf der Welt.


Wo ist das Konzept für das Danach?

Nach beinahe einem Jahr im Ausnahmezustand gibt es immer noch keinerlei Konzept für die Zeit nach dem Ausnahmezustand, keinen Plan, was man mit den Kindern macht, wenn alles „vorbei“ ist. Keine Überlegungen, wie man mit ihnen und ihrer vollkommen anderen Weltanschauung umgehen wird.

Die Gesellschaft der Erwachsenen, wird später wieder auf eine Art Normalzustand umschalten und die Wirtschaft wird auch erwarten, dass alles wieder normal läuft. Man wird von den Kindern erwarten, dass sie wieder auf der Spur laufen und funktionieren, den Stoff in der Schule nach oder aufholen, denn am Ende will man Leistungsbereitschaft und man will, dass alles funktioniert.

Wer aber in den jüngsten Lebensjahren eine Gesellschaft der Distanz, der Angst, der Kontaktbeschränkungen erlebt hat und darin aufwuchs, wer in seiner Jugend die übermächtige Polizeipräsenz spüren durfte, die einem entgegenschmetterte, wenn man sich mal mir Freunden im Park traf oder seine Maske nicht auf hatte, der hat eine Prägung erlebt, die sich nicht einfach mit „jetzt ist wieder alles normal“ ausschalten lassen wird.

Aber das dürfte den Alten egal sein, denn sie können wieder auf normal umschalten, sie können dann einfach weitermachen, sie können zurückkehren und sie können ihr altes Leben wieder aufnehmen, den Ruhestand genießen und sich darüber freuen, dass sie ihren Impfstoff auf dem Rücken der Ärmsten dieser Welt – die als Testpersonen herhalten durften – entwickelt und bekommen haben und das sie die Wartezeit bis dahin auf dem Rücken der Kinder ausgetragen haben.

Ist es das wirklich wert?
Und wenn ja, wer hat das entschieden?

Ach ja, um kurz einem Vergleich mit der Kriegskindergeneration, die es ja noch schwerer hatten und die noch schwierigere Zeiten erlebt haben vorzugreifen. Natürlich hatten sie das!
Allerdings lebte diese Generation in einer vollkommen anderen Gesellschaft, sie hatten ganz andere Voraussetzungen, ganz andere Vorstellungen und auch eine ganz andere Erziehung. Kriege waren eher eine Art Normalzustand, man wusste, dass es immer wieder zu Kriegen kommen könnte, man hatte um sich herum ständig existenziellere Probleme, man hätte sich über so etwas wie eine Pandemie vermutlich nicht einmal Gedanken gemacht, denn auch Sterben gehörte zum Alltag.

Der Umgang mit der zweitschlimmsten Pandemie nach der spanischen Grippe – der China Grippe Ende der 1950er – zeigt, dass man in der Generation ganz anders mit solchen Themen umgegangen ist.

Absgesehen davon, möchte ich keinen Vergleich mit einer Gesellschaft anstregeben, in der Frauen nicht wirklich mündig waren, ihre Ehemänner um Erlaubnis fragen mussten, wenn sie arbeiten wollten, Kinder schlagen zur Normalität gehörte und man Kinder aus ganz anderen Gründen in die Welt setze als heute. Ich möchte dorthin nicht zurück, daher ist ein Vergleich dieser Lebensumstände auch kein seriöser Vergleich, abgesehen davon auch in der Kriegskindergeneration gab es nach heutiger Sicht jede Menge psychisch auffälliger Kinder, aber da es so viele waren, wurden sie schon ob der Masse als „normal“ angesehen.

Ich würde dann doch lieber bei den Errungenschaften und Weiterentwicklungen unserer Gesellschaft bleiben und da bleibt die Frage, wohin soll und dieser Weg nun weiterhin führen. Isolation, Angst und Kontaktarmut sind keine erstrebenswerten Ziele für ein soziales Wesen wie den Menschen!

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