War das wirklich ein Putschversuch? Wer’s glaubt. . .

Ich bin kein „Verschwörungstheoretiker“, aber wer glaubt, dass das was da vor ein paar Tagen in der Türkei abging ein echter Militärputsch war, der sollte sich die Ereignisse doch noch einmal durch den Kopf gehen lassen und fragen, ob jemals ein Militärputsch so abgelaufen ist, so schnell zu Ende war und so viele „Putschisten“ sich so problemlos haben verhaften lassen, um sich im Anschluss der Todesstrafe hinzugeben!


Es bleibt Hochverrat und kein Wochenendausflug


„Mit zehn Panzern, 1000 Soldaten, sechs Kampfflugzeugen und zwei Hubschraubern könne man keinen Putsch machen, stellt der Militärexperte Mehmet Tezkan von der Zeitung „Miliyet“ fest.“ (Quelle: Tagesschau.de)

Einen Putsch vermutlich nicht, aber mal ehrlich so dämlich können hochrangige Militärs bei der Durchführung eines echten Putschversuches nicht sein, immerhin sprechen wir hier von Menschen, deren Beruf es ist Taktiken und Strategien zu entwickeln und selbst einem Leihen wird schnell klar, dass allein der Start eines ernstgemeinten Putschversuches sinnlos ist, wenn man den Präsidenten nicht finden kann oder zumindest im näheren Kreis des Präsidenten ein paar Insider platzieren konnte.

Doch unabhängig davon, selbst wenn es „nur“ 1000 Solaten gewesen sind, die Nachrichtenagentur Reuters berichtete noch in der Nacht von 1.500 Festnahmen von Putschisten. Wir reden also über 1.000 – 1.500 Menschen, die meisten davon Soldaten aus den unterschiedlichsten Rängen, die gemeinsam einen Hochverrat begangen haben. Mal eben putschen ist schließlich kein Kavaliersdelikt, es ist ja nicht so, dass man morgens sagt, och heute gehe ich mal zum Putsch und wenn das nicht klappt, dann gehe ich morgen wieder ganz normal zu meinem Militärdienst.

Ein militärischer Putschversuch ist Hochverrat und Hochverrat ist in den meisten Ländern dieser Welt alles andere als lustig. Gerade gegen einen Mann wie Erdogan, der seit Jahren die Verfassung seines Landes unterwandert, nach Belieben unbeliebte Gegner ins Gefängnis werfen lässt, die Pressefreiheit nicht akzeptiert und Richter des Amtes enthebt, wenn sie nicht so richten, wie er es sich vorstellt, würden sich Soldaten alleine den Gedanken an einen Hochverrat sehr gut überlegen. Jeder einzelne kann schließlich damit rechnen, dass für einen Hochverräter ein Militärgericht eingesetzt wird und dieses Militärgericht unterliegt nicht zwing und der so lieb beschworenen „Rechtstaatlichkeit“. Auf Hochverrat in einem so großen Ausmaß steht die Todesstrafe! Vielleicht nicht laut Gesetz, aber seit wann interessiert bei solchen Themen das Gesetz.


Das Leben riskiert und nach einigen Stunden verschenkt, ja sicher!


Also fassen wir zusammen, in den Straßen Istanbuls und Ankaras haben 1.000 – 1.500 bewaffnete Soldaten gestanden, sie hatten Panzer und auch ein bisschen Luftwaffenunterstützung. Jeder der Beteiligten hat durch seine Teilnahme beschlossen einen Hochverrat zu begehen und kann damit rechnen zum Tode verurteilt zu werden.

Natürlich sind 1.000 Soldaten nicht genug, um einen ernsthaften Putsch durchzuziehen, aber noch nie in der Geschichte der Militärputschs, haben 1.000 Bewaffnete sich in so kurzer Zeit, ohne ernsthafte Gegenwehr entwaffnen lassen. Jeder von Ihnen könnte im Falle eines ernsthaften Putschversuches damit rechnen im Falle einer Festnahme im Nachhinein getötet zu werden oder sogar noch schlimmeres! Mit so einem Druck im Nacken, gibt man nicht nach so wenig Zeit einfach kampflos auf!

Das ganze erscheint doch irgendwie sehr unglaubwürdig und die Ereignisse der „Nachputsch-Zeit“ machen es nicht wirklich besser! Dem einzigen, dem dieser „Putsch“ genutzt hat, ist derjenige gegen den er sich angeblich gerichtet haben soll.


Zufällig hatte man da schonmal knapp 3.000 Namen


Kaum war der sogenannte Putschversuch beendet, wurden mehrere hundert Regimegegner festgenommen, Richter und Beamte ihrer Ämter enthoben und der „demokratisch gewählte“ Präsident fängt an von Säuberungen zu sprechen und laut über die Todesstrafe „nachzudenken“ oder besser sie direkt mal einzufodern. Wer da nicht an gewisse Parallelitäten zu Deutschlands Geschichte erinnert wird, hat im Geschichtsunterricht damals nicht richtig aufgepasst.

Ein „demokratisch“ gewählter Anführer nutzt alle ihm möglichen Mittel, um seine Macht immer weiter auszubauen und sich seiner Gegner zu entledigen und wenn alle demokratischen Mittel erschöpft sind, dann nutzt er seine Macht, um die demokratischen Regeln zu umgehen. Das „i“-Tüpfelchen wäre es dann noch, wenn man es schafft, seine Macht durch einen abgewendeten Militärputsch nur noch weiter zu festigen. Das kommt mir wirklich alles so unheimlich bekannt vor, als hätte ich das irgendwo schonmal gelesen.

Die Todesstrafe einzuführen käme Herrn Erdogan gerade recht, denn ein Toter Regimkritiker kann ihm dann wenigstens nicht mehr auf die Nerven gehen und wenn man nun noch die Eingeweihten dieses Schmierentheaters genannt Putsch gleich mit umbringen könnte, dann könnte sich auch nie jemand verplappern.


Graf Stauffenberg würde sich im Grabe umdrehen!!!


Die EU reagierte wie immer „verärger“ und mahnt zu irgendwas, aber von den „schlauen“ Menschen in Brüssel ist ja auch in den letzten Jahren nicht so unheimlich viel anderes zu hören gewesen. Interessanter finde ich die Reaktion unserer Bundesregierung und unserer Politiker, gerade mit Hinblick auf unsere eigene Geschichte!!

Demonstrativ stellt man sich auf die Seite Erdogans, demonstrativ spricht man ihm sein Recht als demokratisch gewählten Präsidenten zu und erklärt, dass man einen demokratisch gewählten Führer nur mit demokratischen Mitteln bekämpfen darf und ein Militärputsch auf keinen Fall der richtige Weg sein kann.

Liebe Frau Merkel und der Rest der Politikerbande, die so einen Mist erzählen.

Ich für meinen Teil bin froh darüber, dass es in unserer Geschichte immer wieder gewaltätige Anschläge auf den ursprünglich mal demokratisch gewählten Führer gegeben hat, der unser Land innerhalb von 12 Jahren komplett vernichtet hat

Sie – liebe Angehörige des Deutschen Bundestages, die sich unsere Regierung schimpfen – treten das Erbe eines Grafen von Stauffenberg und allen, die das NS Regime damals mit Gewalt bekämpft haben mit Füßen. (Quelle: wikipedia)

Zu viele Menschen haben sich damals hinter solchen Sätzen, wie „er wurde ja demokratisch gewählt“ versteckt und haben genau aus diesem Grund nicht gehandelt. Auch damals haben die anderen Länder tatenlos zugesehen, wie dieser Mann und seine Partei die Demokratie nach und nach wieder aushebelten. Sie schlossen Verträge, sorgten sich um diplomatische Beziehungen und Handel, sie haben zugesehen und das beste gehofft, was am Ende dabei rausgekommen ist, hat man ja gesehen.

Erdogan mag demokratisch gewählt worden sein, doch er mißbraucht seine Macht, umgeht die Verfassung, strebt Änderungen der Verfassung an den stellen an, die ihm nicht passen und baut nach und nach ein totalitäres System auf, in dem nur er das Sagen hat.


Artikel 20 Absatz 4 Grundgesetz


Ständig werfen die schlauen Politikmenschen ihrem Volk an den Kopf, dass es aus der Geschichte nicht gelernt hat, immer wieder werden wir an der 12 Jahre unserer Geschichte erinnert, die mit Abstand das dunkelste Kapitel einer langen Geschichte waren und immer wieder ermahnt man uns, nicht zu vergessen! Dabei haben die Damen und Herren in Berlin selbst schon vergessen! Sie haben vergessen, dass auch in Deutschland der gewaltsame Widerstand gegen einen „demokratisch“ gewählten Führungsapparat legitim und sogar gesetzlich legal ist!

Art 20
(1) Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.
(2) Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt.
(3) Die Gesetzgebung ist an die verfassungsmäßige Ordnung, die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung sind an Gesetz und Recht gebunden.
(4) Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.

(Quelle: Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz)

Dieser Tyrannenmordparagraph wurde extra geschrieben, damit wir uns in unserem eigenen Land eben nicht mehr dahinter verstecken, dass die Regierung ja schließlich demokratisch gewählt wurde! In einem Land, in dem ein demokratisch gewählter Führer die Demokratie nach und nach abschafft und die Gesetze so schreibt, wie es ihm passt, gibt es schließlich keine andere Möglichkeit eines demokratischen Widerstandes mehr!


Machtausbau um jeden nur möglichen Preis und das Volk muss bluten!


Der Aufruf Erdogans, für den er sich interessanterweise den Medien bediente, die er sonst gerne zensieren oder abschaffen möchte, brachte die Menschen dazu für ihn auf die Straßen zu gehen und sich erschießen zu lassen. Erdogan schickte sein eigenes Volke als Kugelfänger für die Panzer und schaffte sich so auch noch zusätzliche Märthyrer, wie er sie selbst nennt. Ein Theaterspiel mit echten, unschuldigen Toten!

Mal ehrlich, wenn es nur 1.000 Soldaten – von mir aus auch 2.000 Soldaten waren, die geputscht haben und man würde annehmen, dass es sich um einen echten und sau dämlichen, taktisch unklugen und strategisch vollkommen sinnlosen Putschversuch gehandelt hätte, wofür braucht ein Land mit über 700.000 Soldaten in der Armee (Quelle: wikipedia) dann die Zivilbevölkerung? Warum müssen sich unschuldige Menschn vor Panzer stellen und sich erschießen lassen?

Die Türkei hat Geheimdienste, Polizeikräfte und ein ziemlich großes, aktives Militär, von Reservisten mal ganz abgesehen. Zivile Kugelfänger einzusetzen war sinnlos und sollte doch nur für eine „Heldenkultur“ sorgen, so konnte man gleich mal schön mit großen Trauerakten ablenken und die Aufmerksamkeit des Vokes gleich wieder auf andere Dinge lenken. Sonst kommen die Leute noch auf die Idee kritische Fragen zu stellen. Jetzt aber, wo die „Putschisten“ auf die Zivilbevölkerung geschossen haben, hinterfragt man natürlich nicht. Man trauert mit den Opfern.


…und am Ende geht es einfach so weiter, wie immer


Widereinmal zeigt sich, dass mit unterschiedlichen Maßstäben gemessen wird, George Orwell hatte leider recht: „Einige Tiere sind gleicher!“ Statt offener Worte und einem klaren Blick auf die Geschehnisse, wird empört getan, ein bisschen gerasselt und dann geht man wieder zur Tagesordnung über und verhandelt weiter über EU-Beitritt, Visafreiheit und Binnenmarkt.

Man hat ja schließlich die Türkei ermahnt, die Rechtstaatlichkeit nicht zu vergessen! Alleine die Aufforderung nach Rechtstaatlichkeit ist bei der Situation, die sich seit Jahren in den Entwicklungen innerhalb der Türkeit zeigt, ein schlechter Witz, aber Humor ist ja bekanntlich, wenn man trotzdem lacht.

Hauptsache das Geld fließt, ach ja und die Flüchtlinge bleiben da, wo sie gerade sind.

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